Einladung zur Vernissage der Stipendiatin Faina Yunusova 

Kunsthalle Willingshausen
Merzhäuser Straße 1
34628 Willingshausen

Öffnungszeiten
Mittwoch – Samstag
14 – 17 Uhr
Sonntag
12 – 17 Uhr

Kunstverein Stipendium Willingshausen e.V.
Kunsthalle Willingshausen
Merzhäuser Str.
1 34628 Willingshausen


Faina Yunusova #PARADISEEE Vernissage: 25.4.2026, 16 Uhr Finissage: 24.5.2026, 15 Uhr Ausstellungsdauer: 25.4. – 24.5.2026 Die persische Herkunft des Wortes „Paradies“ pairi-daeza bedeutet Umzäunung oder Einfriedung. Ohne Zaun gäbe es keinen Garten – nichts würde ihn von der umgebenden Natur trennen. Wer seinen Garten pflegt, schafft sich innerhalb eines begrenzten Raums ein persönliches Ideal. Doch sobald Jäten, Graben und das Entfernen unerwünschter Pflanzen zur Arbeit werden, stellt sich die Frage: Kontrollieren wir den Garten – oder kontrolliert er uns? Ähnlich verhält es sich mit sozialen Medien. Wenn wir ein Bild länger ansehen, es liken oder kommentieren, werden uns zunehmend ähnliche Inhalte angezeigt. So entsteht ein Raum, der sich scheinbar nach unseren Interessen richtet. Aber auch hier stellt sich die Frage: Bestimmen wir, was wir sehen – oder bestimmt der Raum unser Verhalten?

Faina Yunusova hat in Moskau monumentale Malerei studiert. Dabei hat sie gelernt, die spezifischen Linienführungen und Lichtverhältnisse von Räumen in großformatige Malereien zu integrieren, die direkt auf die Wand aufgebracht werden. Diese Malerei modelliert den Raum optisch – sie kann ihn strecken, stauchen oder weiten. Der lange, schmalen Fries ist eine besondere Form der monumentalen Malerei, er teilt Räume in der Höhe oder betont ihre Weite. Gleichzeitig funktioniert er seit jeher wie eine Art Filmstreifen, auf dem fortlaufende Handlungen erzählt werden. '

Auf Faina Yunusovas Fries verschmelzen die hiesigen Vorgartendekorationen; die Hühner, Katzen, Hunde und Gänse zu künstlichen, mythischen Wesen. Der Satz „The Future does not freak me out, ...“ (die Zukunft macht mir keine Angst), der durch das Bild wabert, erinnert an die affirmativen Sprüche von Memes. Mit diesem Fries greift Faina Yunusova ein Phänomen sozialer Medien auf: das endlose Scrollen durch Bilder, die den Blick nur für Sekunden binden, bevor der nächste Beitrag ihn weiterzieht. Ihr Fries zeigt, warum sie sich keine Sorgen um die Zukunft machen muss, denn mit ihrer Malerei ist sie nicht nur in der Lage, die Raumwahrnehmung zu ändern, sie bringt auch den Strom von Informationen zum Stillstand. Wer den Raum betritt, trägt vielleicht die Erwartung eines Paradieses mit sich: Schönheit, Harmonie, Eskapismus. Was ihn empfängt, ist das ursprüngliche pairi-daeza: ein Raum, in dem nichts zufällig wächst.

Faina Yunusova, die 61. Stipendiatin des Willingshäuser Stipendienprogramms kommt aus Taschkent (Usbekistan). Sie studierte bis 2017 monumentale Malerei an der StroganowKunstakademie in Moskau und bis 2022 Bildende Kunst an der Hochschule für Gestaltung Offenbach. Ihre Arbeiten wurden unter anderem auf Schloss Agathenburg, der Galerie JeanClaude Maier in Frankfurt, der Cité internationale des Arts in Paris, auf dem GoEast Festival in Wiesbaden, im Frankfurter Kunstverein und der Kunsthalle Bremen ausgestellt. Das Stipendium Willingshausen wird unterstützt von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, der SV SparkassenVersicherung und der Kreissparkasse Schwalm-Eder, dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, dem Landkreis Schwalm-Eder sowie der Gemeinde Willingshausen.