Künstlerstipendium Willingshausen

Die Willingshäuser Malerkolonie ist die älteste Malerkolonie Europas. Sie wurde um 1830 von Gerhardt von Reutern begründet und erlebte im 19. und frühen 20. Jahrhundert ihre Blütezeit. Zahlreiche namhaften Künstler wie z.B. Ludwig Emil Grimm, Carl Bantzer, Jacob Dielmann, Otto Ubbelohde, Wolfgang Zeller, Ludwig Knaus, Wilhelm Thielmann oder Adolf Lins verweilten in Willingshausen. An diese historische Tradition knüpft das Künstlerstipendium, welches seit 1996 durch die : Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, Kreissparkasse Schwalm-Eder Art regio - Ein Kulturengagement der Sparkassenversicherung, dem Schwalm-Eder-Kreis und der Gemeinde Willingshausen getragen wird. Jährlich werden zwei Stipendien mit einer Aufenthaltsdauer von jeweils 3 Monaten im Malerdorf Willingshausen vergeben. 

 

Die Stipendiaten wohnen im denkmalgeschützten "Hirtenhaus" .Atelier und Ausstellungsraum bietet das künstlerische Zentrum des Gerhardt-von-Reutern-Haus mitten im Ort. Das Künstlerstipendium knüpft in eigener, innovativer Weise an die Künstlerkolonie an. Die Auseinandersetzung mit dem Ort und seiner Rolle in der Kunstgeschichte, die relative Abgeschiedenheit der ländlichen Region sowie unmittelbare Kontakte und Begegnungen mit kunstinteressierten Menschen sind besondere Merkmale dieses Stipendiums. Es unterstützt und fördert besonders begabte junge Künstlerinnen und Künstler, indem es einerseits gute Rahmenbedingungen für kreatives Arbeiten bietet, andererseits mit einer Ausstellung und einem Personalkatalog erstmals größere Öffentlichkeit herstellt und neue Möglichkeiten des Zugangs zu Sammlern, Galerien und zu weiteren Förderungen erschließt.

Künstlerstipendiaten 2012

Kurz vor Ende des Jahres hat die Jury für das Künstler/innen Stipendium Willingshausen 2012 zwei neue Stipendien vergeben. Ausgewählt wurden Anja Köhne und Maciek Rajca. Zur Eröffnung des Kunstjahres 2012 der Künstlerkolonie Willingshausen am Samstag, den 14. Januar 2012 in der Kunsthalle des Gerhardt-von-Reutern Hauses werden sich beide vorstellen.

Die Stipendien werden getragen von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, art regio – einem Kulturengagement der Sparkassenversicherung, der Gemeinde Willingshausen und dem Schwalm-Eder-Kreis. Es beinhalten jeweils drei Monate Arbeitsaufenthalt mit Atelier und Wohnung bei monatlich 1000€, die Ausstellung der Ergebnisse der entstandenen Arbeiten in der Kunsthalle im Gerhardt von Reutern Haus in Willingshausen und eine Unterstützung von 5000€ für die Produktion eines Katalogs.

 

Anja Köhne, 1985 geboren in Stendal, studierte 2005 bis 2010 Bildende Kunst an der Kunsthochschule Kassel in der Klasse Experimentelle Fotografie von Prof Bernhard Prinz. Für ihre Abschlussarbeit „Haecceitas oder Die Welt so wie sie ist“ erhielt sie den Akademiepreis der Sparkassen Versicherung. Sie lebt und arbeitet in Kassel.

Anja Köhne lässt die Objekte, Orte und Landschaften, die sie findet, fotografisch auftreten wie auf einer Bühne, gestaltet sie zu Skulpturen oder inszeniert sich selbst – in der Serie von Selbstporträts –als eine nicht fassbare Person. Sie hinterfragt damit den Abbildcharakter der Fotografie und erforscht den Realitätsgrad des Motivs wie der Fotografie selbst. „Was, wenn alle Parameter zur Dechiffrierung einer Fotografie (z.B. Form, Raum, Material, Grenzen, Zeit,...) ins Leere führen, sodass das Abgebildete keine eigentliche Abbildung von sich selbst ist, sondern ein Eigenleben führt – oder einfach nur ein Bild wird?“

Anja Köhne will In Willingshausen die Bevölkerung, d.h. die Zielgruppe und die Betrachter ihrer Bilder in diese Diskussion einbeziehen. Sie will um ganz konkrete Aufträge bitten. Dabei kann es sich um Aufnahmen eines Familienfestes, um Porträts oder auch um Orte oder Gegenstände handeln, die sie dann – allerdings aus ihrem künstlerischen Selbstverständnis heraus – ausführen möchte. Es geht ihr also um die Diskussion über die inhaltlichen wie ästhetischen Kriterien für das Fotografieren wie für die Fotografien selbst, bei der nun alle auf ihre Weise mitreden können.

 

Maciek Rajca, geboren 1981 in Waldenburg (Polen), aufgewachsen in Fulda, studierte 2004 bis 2010 Bildende Kunst an der Kunsthochschule Kassel, gefördert vom Cusanuswerk, der Studienstiftung der katholischen Kirche, und war 2010/11 Meisterschüler von Prof Friederike Feldmann. Er lebt und arbeitet seit kurzem in Köln.

Maciek Rajca versteht sich als Maler, der die Grundfragen dieses Mediums zu seiner Forschung – und zu seinen Bildgegenständen macht. Dem entsprechend malt er Bilder auf seine Bilder, die er findet, um sie malerisch zu hinterfragen. Wie verständigen sich figürliche und abstrakte Formen, wie reagieren sie aufeinander, interagieren miteinander? Wie verhält sich Farbe als Material dazu, wie das Malen als sichtbarer Prozess? Wie konstituiert sich ein Bild als Fläche, als Raum? Wie entwickelt sich malerisch eine Erzählung, eine Diskussion, ein Statement?

Für seinen Aufenthalt in Willingshausen hat er zwei Vorhaben: Die Tradition der Plain-Air-Malerei aufnehmend will er mit Staffelei, Leinwand und Pinsel den Ort, evtl. auch die Umgebung „vermessen“ und so eine künstlerisch analoge Antwort auf Google Street View formulieren. Anders als diese Internetplattform allerdings will er dann an den Haustüren klingeln und tatsächlichen Kontakt aufnehmen. Daraus soll eine Serie von „Gesichtern“ entstehen  – keine Porträts im üblichen Sinne, „eher so, dass ich mich von den Willingshäusern zu bestimmten Farben, Formen und Anordnungen inspirieren lassen werde“.

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Ansprechpartner :

Frau Rockensüß

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